eol - ex oriente lux!  Zeichenkurs: Grundlagen des Zeichnens
ONLINE-ZEICHENKURS: ALLGEMEINES

Interpretation vom Fehlern

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Fehler resultieren aus der normalen „Bildbearbeitung“ im Kopf und zeigen uns damit, was dort abläuft. Schwierigkeiten beim Zeichnen resultieren kaum aus „handwerklichen“ Unfähigkeiten. Die meisten von uns haben keine Schwierigkeiten auf Pauspapier ein paar Striche nachzuziehen. Das Benutzen von Stiften beim Schreiben ist handwerklich wesentlich komplizierter die Stiftführung beim Zeichnen.

Beim Zeichnen muss man lernen, seine automatisch ablaufenden Interpretationen des Gesehenen abzustellen. Man muss lernen, nur das zu zeichnen, was man wirklich sieht. Also in einem ausgestreckten Arm z.B. nicht den Arm sondern einfach nur eine Anordnung von Flächen und Strichen zu sehen. Im Grunde ist Zeichnen lernen also nicht das Hinzulernen, sondern im Gegenteil das Ausschalten und Vergessen von Fähigkeiten. Oder plakativer, man muss lernen, sich dumm zu stellen.

Das gilt für das Fotografie „imitierende“ Zeichnen. Aber Zeichnen ist mehr. Und da kommen unsere "Fehler" wieder ins Spiel.

 

Gerade bei der Wahrnehmung und Darstellung von Personen treten Fehler auf, denn die Wahrnehmung von Gesichtern, der Mimik, ist ganz tief in unserem Hirn verankert.

Man hat Augenbewegungen von Versuchspersonen beim Betrachten von Gesichtern oder Fotos von diesen analysiert (Eyetracing oder Eyetracking). Wenn wir Personen ansehen, betrachten wir die meiste Zeit die Augen- und danach die Mundpartie. Der Augenregion unseres Gegenübers widmen wir mit Abstand die größte Aufmerksamkeit. Ein weiterer , aber wesentlich weniger betrachteter Punkt ist der Scheitel, Stirn und Kinn werden kaum betrachtet.

Das zeigt die Bedeutung, die diese Gesichtsregionen für uns haben. Und es spiegelt sich in den Anfänger - “Fehlern“ wieder, die daraus bestehen, genau diese Regionen überproportional groß darzustellen.

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Ein trauriges Gesicht. Klicken Sie auf das Bild. Sie sehen dann das selbe Bild um 180 Grad gedreht. Der Smiley ist achsensymmetrisch. Die jeweils überflüssigen Linien werden von uns einfach ignoriert und man muss sich etwas anstrengen, um jeweils das andere Gesicht zu sehen...

Köpfe werden im Verhältnis zum Körper zu gross dargestellt, Gesichter nehmen meist 2/3 der Kopffläche statt der Hälfte ein und die Augen werden i.A. viel zu gross gezeichnet. Und es wird beim Betrachten der Bilder oft auch nicht als störend empfunden.

Bei Mangas und Comics allgemein werden Augen und Köpfe meist vergrößert, Figuren mit unproportioniert kleinen Kopfen und Augen kommen vor, sind aber selten und wirken dann meist „gemein“ oder „cool“. Messen Sie die angesprochenen Maße z.B. an einer Donald Duck oder einer Manga – Zeichnung.

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Zum Foto:
Bei einer "korrekten" Gesichtsdarstellung würden die Augen auf der Höhe der Kopfmitte liegen, hier liegen sie bei einer Höhe von 2/3 der Kopfhöhe.

Diese „Fehler“ kann man zur Ausdruckssteigerung nutzen. In der Afrikanischen Plastik ging und geht es darum „mächtige“ Fetische herzustellen, nicht richtig proportionierte Kopien von Menschen. Die Skulpturen sind im afrikanischen Verständnis von Göttern beseelt, sie stellten also nicht Götter dar sondern sind selbst welche (bzw. werden von welchen bewohnt). Es ging also in der afrikanischen Plastik immer um eine Optimierung der „Wirkung“ der Plastiken. Afrikanische Figuren haben oft ein Kopf – Körperverhältnis von 1:5, ja sogar 1:3, die Gesichter von Masken nehmen meist 2/3 der Kopfgröße ein Das ist Absicht. Die Plastiken sind hoch abstrakt und Produkte einer Optimierung auf "psychische Wirksamkeit". Sie spiegeln unsere "inneren Bilder" wieder. "Anfängerfehler“ sind so verstanden also nichts anderes als der Ausdruck dieser inneren Bilder.

Und hier liegt auch die grosse Gefahr, die im Lernen des "richtigen Zeichnens" liegt. Die Gefahr ist, dass man nach dem Lernen das Gelernte schematisch im Sinne einer "fotografischen Reproduktion" angewendet und nur sterile langweilige Bilder produziert. Denn gerade die Abweichungen, gerade die scheinbaren Fehler machen die Zeichnungen lebendig.

Ich weiss nicht mehr wer es war, aber ein bekannter Jazz Musiker sagte in einem Radio Interview:
"Es gibt 2 Arten zu lernen, wie man guten Jazz spielt, die erste ist, man kann nichts und spielt 10 Jahre vor sich hin, bis man das nötige Können hat. Die Zweite ist, man hat eine klassische Ausbildung und braucht 10 Jahre, um das zu vergessen".
Die Zweite Methode ist die langwierigere und schwierigere, denn zu den 10 Jahren kommen die 15 Jahre der klassischen Ausbildung.

Aber keine Angst, ich glaube, es gibt einen 3. Weg, und das ist mit Freude einfach losklimpern und sich dabei Hilfe und Unterricht zu holen, z.B. hier :-)

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Zum Foto:
bei afrikanische Statuetten ist der Kopf oft bis zu einem Drittel der Körperhöhe gross, bei einer "korrekten Darstellung" des Menschen liegt die Kopfgröße bei einem Siebtel oder Achtel.

 

 

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