| ONLINE-ZEICHENKURS: LICHT UND SCHATTEN: VERGLEICH MANTEGNA-DÜRER |
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Hier sind zwei Kupferstiche (Der Kampf der Seegötter). Der obere ist von Mantegna, der untere von Dürer. Dürer "kopierte" den Stich Mantegnas. Interessant ist die unterschiedliche Wirkung der Stiche. Vergrößern Sie die Bilder und sehen Sie sich diese in Ruhe an. Der Dürer wirkt natürlicher. Der Grund ist, dass Dürer Licht und Schatten und die Detailierung anders einsetzt.
Bei Mantegna (1431-1506) bildet das ins Detail ausgezeichnete Schilf die dunkle Mittelfläche, vor der sich die Figuren hell abheben. Das Schilf bildet eine Art Vorhang. Die Figuren sind gleichmäßig sorgfältig ausgearbeitet. Die ganze Szene wirkt im Vergleich zum Dürer verwirrend unklar und "voll".
Die hellsten Stellen der Körper liegen "vorne", das Wasser vorne ist ebenfalls hell, im Mittelgrund sind die Wellen dunkel verschattet. Rechts oben sind einige Schilfhalme des Hintergrundes in "Luftperspektive" dargestellt, also heller und kontrastarmer.
Zum Dürer. "Eyetracing" Untersuchungen sind Untersuchungen, bei denen man misst, auf welche Stellen ein Betrachter eines Bildes oder einer Szene schaut.
Man weiss, dass sich Betrachter von Bildern oder Szenen, auf bzw. in denen Menschen sind, die meiste Zeit und am häufigsten die Gesichter der anwesenden Personen ansehen. Und in den Gesichtern besonders oft und lange die Augenpartien. Der Rest der Szenen wird nur sehr flüchtig betrachtet.
Dürer (1471-1528) berücksichtigt das intuitiv (?). Er arbeitet die Gesichter sorgfältig aus und läßt Details an "weniger wichtigen" Stellen weg. Die Wellen sind z.B. nur angedeutet und im Grunde nicht vorhanden. Mantegna dagegen zeichnet detailliert die Blätter des Schilfes, Dürer skizziert diese nur schwach und nutzt ausgiebig "luftperspektivische Effekte". Um die Bildaussage deutlicher zu machen, fasst er die rivalisierenden Gruppen unter Berücksichtigung der "natürlichen Lichtsituation " durch Schatten und dunkle Flächen zusammen (das Licht kommt von links oben aus der Richtung des Betrachters).
Wenn Sie beim Betrachten des Bildes die Augen zusammenkneifen, sehen Sie im Grunde 2 große dunkle Flächen gebildet aus den beiden Parteien, getrennt durch eine helle Fläche. Auch Dürer braucht eine gewisse Dunkelheit, um die dem Betrachter zugewendeten hellen, vorne liegenden Hautpartien darstellen zu können. Bei ihm sind diese dunklen Flächen aber die Körper selber, die abgewandten"entfernteren" Partien. Die hinteren Figuren bzw. die dem Betracher abgewandten Körperteile bilden den Mittelgrund, die Schilfwand ist schon (wie auch der Schwanz) Teil des sich auflösenden. hellen und kontrastarmen Hintergrunds. Auf den Bilder hier nicht so gut erkennbar: Dürer hat übrigens noch die Blickrichtungen der Augen etwas geändert.