| ONLINE-ZEICHENKURS: LICHT UND SCHATTEN: SIMULTANKONTRAST |
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Wie hell oder dunkel eine Fläche wahrgenommen wird, hängt auch von der sie umgebenden Fläche ab. Beim Zeichnen bedeutet das, dass man, um Flächen hell darstellen zu können, diese vor einem dunkleren Hintergrund erscheinen lassen muss.
Zur Veranschaulichung die folgenden Bilder:
Bei diesen zwei Bildern sind die beiden innen liegenden Quadrate gleich hell. Trotzdem wirken sie unterschiedlich, der Hintergrund führt zu einer unterschiedliche Wahrnehmung. Flächen vor dunklem Hintergrund wirken heller, vor hellem Hintergrund dunkler. Dieser Effekt wird Simultankontrast genannt.
Beim Zeichnen tritt der Effekt naturgemäß dauernd auf, da beim (monocromen) Zeichnen in Graustufen immer hell neben dunkel steht.
Man kann den Effekt bewußt nutzen, um Flächen heller bzw. dunkler erscheinen zu lassen. Da Helligkeiten auf weissem Papier nur durch Freilassen zu zeichnen sind (vorausgesetzt man "höht" nicht durch den Einsatz weisser Farbe), ist die höchste zu erzielende Helligkeit durch die Farbe des Papieres vorgegeben. Man kann jedoch eine Stelle heller erscheinen lassen, wenn man die Umgebung dunkler macht.
Es gibt noch einen weiteren Effekt bei der Wahrnehmung von Helligkeitsverteilungen und Farben. Wir sind bei der Wahrnehmung sehr anpassungsfähig. Wenn wir vor einer Fläche stehen, die geringe Kontraste hat, erhöht sich die Empfindlichkeit, mit der wir Nuancen wahrnehmen. Das ist der Grund, warum wir z.B. auf weissen (oder auch farbigen) Wänden sofort ausgebesserte Stellen sehen.
Aus diesem Grund werden z.B. oft auch Striche und Flächen mit schwarzem Filzstift (oder schwarzer Tusche) auf eine Bleistiftzeichnung oft als unangenehm empfunden. Der Kontrast der Striche zum Rest ist so groß, dass er die Wahrnehmung der Kontraste in der reinen Bleistiftzeichnung stört. Die Zeichnug wirkt inhomogen. Der gleiche Farbkontrast wirkt dagegen in einem Holzschnitt oder einer Tuschegrafik völlig natürlich.
Diese Anpassung der "Aufmerksamkeit" führt dazu, dass wir z.B. in einer Silberstiftzeichnung durchaus starke hell-dunkel Kontraste sehen können, obwohl Silberstiftzeichnungen sehr kontrastarm und "blass" sind. Wenn Sie jedoch eine Silberstiftzeichnung zwischen Tuschezeichnungen liegen sehen, wird diese Ihnen geradezu kontrastlos erscheinen (bzw. die Tuschezeichungen extrem kontrastreich).
Hier allerdings noch einmal die Warnung: Fassen Sie das oben gesagte AUF KEINEN FALL als "Regel" oder "Gesetz" auf. Ich selbst habe oft in Bleistiftzeichnungen mit schwarzem Filzstift gezeichnet, gerade WEIL der Kontrast zwischen den Bleistift und Filzstiftanteilen der Zeichnung so stark ist., die Zeichnung regelrecht zerschneiden kann und weil es so schön unangenehm ist :-)