| ONLINE-ZEICHENKURS: ÜBUNGEN: SCHRAFFIEREN |
Datenschutzhinweis:
In diese Seiten sind Google-Werbung und auf einigen Seiten ein "Zähl-Gif " (Besucherstatistik) eingebaut. Eine ausführliche Datenschutzerklärung finden Sie hier.
Schraffuren und Schraffieren
Theoretisch besteht "reine" Zeichnungen nur aus Strichen, nicht aus Flächen. Das ist natürlich nur Theorie, in den meisten Bleistiftzeichnungen z.B. verwischen (wortwörtlich!) die Grenzen zwischen Strichen und Flächen. Anders ist das bei Druckverfahren wie dem Kupferstich. Bevor Techniken wie die Aquatinta auftauchten, konnten mit diesen Druckverfahren nur Striche produziert werden. Um trotzdem "dunkle" Flächen erzielen zu können, setzte und setzt man Striche eng aneinander. Diese Striche wirkten dann wie Grauflächen. Desto enger sie beieinander liegen, desto dunkler wirkt die Fläche (siehe dazu auch den Kupferstich von Dürer neben diesem Text).
Der Verlauf und Charakter der Striche hat großen Einfluss darauf, wie die dargestellten Oberflächen wahrgenommen werden.
Bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts wurde "Schraffieren" ausgiebig geübt. Diese Übungen waren jedoch zumindest in der Moderne immer umstritten.
Ich weiss nicht, ob es Sinn macht, jeden Tag 10 Minuten zu schraffieren, ich mache es jedenfalls nicht. Aber ich schraffiere beim Zeichnen selbst häufig, es gehört zu meinem Zeichenstil. Oft schraffiere ich am Tisch gedankenlos vor mich hin und bin plötzlich beim Zeichnen.
Gerade für Anfänger erfüllen Schraffur-Übungen durchaus ein paar sinnvolle Funktionen.
Als erstes, Schraffieren entkrampft. Sie werden merken, dass, wenn man mit dem Zeichnen anfängt, die ersten Minuten "nicht richtig laufen". Es gibt sogar Tage, an denen man keine guten Zeichnungen machen kann, es läuft dann eben einfach nicht. Schraffieren erfüllt die Funktion eines "Einführungsrituals". Wenn Sie das Zeichnen regelmäßig mit ein paar Minuten Schraffieren beginnen, ist das Schraffieren für Sie eine Art "Schalter", ein Signal, in die "Zeichenstimmung" zu fallen.
Ds zweite ist, dass man, wenn man immer wieder 10 min vor sich hinschraffiert, automatisch lernt, Stifte "richtig" und kontrolliert zu führen (vergleiche Stifthaltung).
Beim normalen Zeichnen wird man mit aufgelegter Hand aus den Fingern heraus relativ schnell ein paar Schraffurstriche machen und dann die Hand etwas weiterrücken. Das geht jedoch nur bei kurzen Strichen und die Striche werden die Tendenz haben, leicht gekrümmt zu sein, da Sie die Hand aus dem Gelenk heraus drehen. (siehe dazu noch einmal die Datei Stifthaltung). Bei normalen kleinen Zeichnungen auf A4 z.B. stört das überhaupt nicht, und in den meisten Skizzen werden Sie genau so zeichnen. Anders ist es jedoch, wenn Sie größere Zeichnungen machen und dort ebenfalls Schraffuren einsetzen wollen oder müssen, um zum Beispiel Schattenflächen zu zeichnen oder die Schraffuren aus geschwungenen Linien bestehen sollen, die eine Form modulieren. In dem Fall braucht man zum Schraffieren Übung.
Alte Kupferstiche haben keine grauwertige Flächen, da das Druckverfahren nur die Wiedergabe von Linien erlaubte. Also mussten alle Schattierungen des Bildes mit Schraffuren erzielt werden.
Wenn Sie "klassische" Schraffuren üben wollen, sollten Sie die folgenden Punkte beachten. Wie gesagt, das gilt nur fürs klassische Schraffieren, so wurden Schraffuren geübt und das heißt auf keinen Fall, dass "richtige Schraffuren" so aussehen müssen!
Noch einmal, das sind Übungen! Wenn Sie normal zeichnen und nicht gerade diese Zeichenübungen machen, können und sollten Sie kritzeln, wie Sie wollen und es Ihnen gefällt!
Bei allen Anweisungen gehe ich davon aus, dass Sie Rechtshänder sind! Ich weiss, dass ist gemein den Linkshändern gegenüber, aber so ist die Welt (heißt, bin ich).
Die erste Übung besteht daraus, gerade Striche zu zeichnen. Siehe dazu auch die Anmerkungen unter Stifthaltung weiter vorne im Kurs!
Hier sehen Sie 2 Striche. Wenn Sie diese genau ansehen, bemerken Sie, dass der Oberste in der Mitte anschwillt, der untere an den Enden. Die Übung besteht darin,
Die nächsten beiden Bilder zeigen die 2. Übung, sie besteht daraus, die Striche möglichst gleichmäßig nebeneinander zu zeichnen. Beachten Sie hier ebenfalls die Andruckstärke, mit der Sie zeichnen, und damit die Strichdicken.
Die Stiche sollten nicht nur gleichmäßig nebeneinander liegen (probieren sie verschiedene Abstände aus), sondern auch alle an der selben Stelle dick bzw. dünn werden.
Sie sehen hier, dass die Striche Flächen bilden. Wenn Sie die Striche weiter auseinander machen, sind diese Flächen "heller", enger aneinander liegende Flächen wirken "dunkler".
Am nebenstehenden Bild sehen Sie auch, dass die Schraffuren "räumliche" Strukturen bilden. Die Stellen, an denen die Striche dünn sind, wirken heller und damit höher als die Stellen, an denen die Striche dunkel sind.
Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten, Flächenhelligkeiten zu steuern,
Die nächste Übung sind gebogene Striche von links nach rechts, die sich nach unten krümmen.
Das ist für Rechtshänder die einfachste Übung, einfacher als gerade Striche zu machen, weil sich die Hand beim Zeichnen um das Handgelenk dreht und die Striche wie von selbst diese Krümmung bekommen (siehe auch Stifthaltung).
Interessanter ist hier jedoch das Spiel mit der Perspektive.
Es ist abhängig vom Kontext, aber generell gilt, dass helle Flächen "näher" wirken. Hier wirken die helleren Flächen jedoch weiter weg, im tiel liegenden "Tal", bedingt durch die Form der Linien. Der Betrachter interpretiert die Helligkeiten jetzt als Information über die Lichtquelle, wenn das Wellental und der linke Buckel so hell sind, muss das Licht von links oben kommen...
Auch diese Wellenlinien Übung ist nicht so schwer, wenn man sie von links nach rechts und oben nach unten zeichnet. Schwer ist allenfalls, die Linien nicht nach unten immer kleiner und kürzer zu machen.
Schwieriger wird die Übung (ds Gesagte gilt hier immer für Rechtshänder), wenn man sie von rechts nah links zeichnet...
Diese Striche sind von rechts nach links gezeichnet, und das ist wesentlich schwieriger als die vorherigen zu zeichnen. Der Grund ist, dass man nicht aus dem Handgelenk zeichnen kann, also aus der Schulter heraus jeden Strich langsam und mit hoher Konzentration zeichnen muss. Bitte beachten Sie immer auch die Strichstärken! Auch hier sollten Sie mit gleichen Abständen und mit variierenden Abständen der Striche untereinander zeichnen und es auch einmal von links nach rechts und umgekehrt versuchen.
Wieder von rechts nach links, von unten nach oben und umgekehrt zeichnen! sie können auch komplexere Formen ausprobieren. Beachten Sie ebenfalls die räumlichen Wirkungen, die Ihre Schraffuren erzeugen. Spielen sie einfach herum.
Eine Kreuzschraffur. Hier entsteht der Eindruck einer gewölbten Fläche. Um die Strichdichte zu erhöhen werden Schraffuren oft übereinander gelegt. Beachten Sie die Winkel, in denen die Striche aufeinander treffen. Spitzere Winkel machen dunklere Flächen. Darüber hinaus erzeugen sie jedoch auch einen "perspektivischen" Effekt, denn Vierecke werden bei wachsender Entfernung zum Betrachter bei einer perspektivischen Darstellung zu Parallelogrammen verzerrt.
Hier noch einmal der Hinweis, dass das exzessive Schraffieren-Üben schon Ende des 19. Jahrhunderts stark diskutiert wurde und umstritten war. Der eigentliche Sinn der Übungen liegt auch eher in der "Entkrampfung" und darin, dass man lernt, die Strichdicken zu kontrollieren als im Antrainieren "ordentlicher Schraffuren".
In der Praxis ist es nicht schlimm, wenn man nicht von rechts unten nach links oben schraffieren kann. Man dreht dann einfach das Papier um!