| ONLINE-ZEICHENKURS: ÜBUNGEN: FOTOS |
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Deshalb ist für Übungszwecke das Zeichnen nach Fotos nicht verkehrt. Fotos halten nicht nur absolut still, sie sind auch bereits eine zweidimensionale Abbildung.
Man sollte aber keineswegs nur nach Fotos zeichnen, denn das Zeichnen nach der Natur beinhaltet ja gerade die Übersetzung eines dreidimensionalen Abbildes im Kopf in die zweidimensionale Abbildung auf dem Papier.
Aber es hilft bei der Auseinandersetzung mit Bildern, bei der Beurteilung von Kompositionen, beim Beoabachten des Verhaltens von fluchtenden Linien etc. Früher gehörte das Kopieren der Bilder „alter Meister“ zur Ausbildung. Alte Meister sind nicht jedem zugänglich, Fotos heute aber allgegenwärtig. An Fotos lässt sich viel lernen, genau wie am Kopieren der Bilder von stilistisch unterschiedlich arbeitenden Künstlern. Die Funktion der Bilder alter Meister können also Fotos übernehmen, besonders wenn man Fotos „alter Meister“ (auch Meister der Fotografie!) nachzeichnet
Eine Übung, die für solute Anfänger nicht geeignet ist, die man aber nach ein wenig Fortschritt machen sollte, besteht darin, sich das Objekt intensiv anzusehen und dann an einem Ort zu zeichnen, wo dem aus das Motiv nicht sichtbar ist. Zum Beispiel kann man die Stühle, auf denen man zeichnet, so aufstellen, dass man mit dem Rücken zum Motiv sitzt. Ziel der Übung ist es, sich vom Motiv zu lösen und von der Vorstellung, genau das zu zeichnen, was man sieht. Das klingt zuerst witzig, weil ich bisher immer gefordert hatte, man solle nur zeichnen, was man sieht, nicht was man denkt, ist aber kein Widerspruch.
Sinn der Übung ist es das Bewusstsein entwickeln, dass Zeichnungen als erstes als Zeichnungen funktionieren müssen und nicht als „Fotografie“. Sie sollen einen Blick für die Qualität der Zeichnung, auch Ihrer eigenen entwickeln. Irgendwann muss Ihre Zeichnung „autonom“ und unabhängig vom Motivwerden, um zu gelingen.
Zweitens trainiert diese Übung das genaue Hinsehen. Und Sie trägt dazu bei, dass Sie sich das, was Sie gesehen und gezeichnet haben, merken.
Es gibt aber auch technische Gründe für die Notwendigkeit, sich vom Motiv zu lösen: wie bereits vorher erwähnt ändern sich die meisten Motive dauernd und Sie sollen lernen, Ihre Zeichnung trotzdem gut zu vollenden.