| ONLINE-ZEICHENKURS: ZEICHNEN UND BLICKWINKEL |
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Beim Zeichnen auftretende Schwierigkeiten resultieren oft aus dem „Blickwinkel“, den wir haben. Das ist der Winkel, in dem Motive liegen müssen, wenn man sie "auf einen Blick" erfassen können soll. Das heißt erfassen, ohne Augen oder Kopf zu bewegen.
Dieser Winkel entspricht ungefähr dem Ausschnitt eines Motivs, den wir sehen, wenn wir uns dieses Motiv mit einer Kamera mit „Normalobjektiv“ ansehen. Er ist überraschend klein.
Das ist uns nicht bewusst, da wir so gut wie nie ein Motiv starr, ohne die Augen oder den Kopf zu bewegen anstarren. Im Gegenteil, die Augen „huschen“ permanent durch die Gegend.
Wer ein Motiv zeichnen will, das so nahe ist, dass man es nicht „mit einem Blick“ erfassen kann, bekommt Schwierigkeiten bzw. braucht Erfahrung, um die auftretenden „optischen“ Fehler zu korrigieren . Er muss dann nämlich den Kopf und die Augen bewegen, bekommt besonders bei geometrischen Objekten die Schwierigkeit, dass sich die Lage der Objekte im (betrachteten) Bildausschnitt und damit die Fluchtpunkte im Bild ändern. Er befindet sich in der gleichen Lage wie ein Fotograf, der mit dem Normalobjektiv das Motiv nicht mehr erfasst. Er muss ein "Weitwinkel" nutzen mit den entsprechend auftretenden Verzerrungen. Desto größer der "Weitwinkel", desto größer die Verzerrungen.
Nur der Zeichner sieht immer wie ein "Normalobjektiv", das er bei zu geringem Abstand zum Motiv auf Ausschnitte des "zu großen" Motivs richtet. Das heißt, um etwas "fotografisch" zu erfassen müsste er "Verzerrungen" konstruieren, die er nicht sieht.
Die zweite Methode, von geübten Zeichnern oft unbewußt angewand, ist sich "virtuell" vom Motiv zu entfernen und einfach so zu zeichnen, als ob man einen größeren Abstand hätte. Das erfordert jedoch große Erfahrung.
Ein Zeichenanfänger wird einfach das Motiv nicht erfassen können und nicht wissen, woran das liegt.
Bei Aktzeichenkursen z.B. wird der erforderliche Abstand meist deutlich unterschritten, insbesondere bei stehenden Modellen. Eine stehende Figur von ca. 1,80 m mit einem Minimum Platz drum herum würde idealer weise einen Abstand von 10 m, mindestens aber einen von 7 m erfordern. Dieser Platz steht meist nicht zur Verfügung. Die Folge sind oft Oberkörper, deren Proportionen nicht zum Unterkörper passen oder Figuren, die kippen.
Meist wissen die Zeichner und leider oft auch die Kursleiter nicht, warum „man das einfach nicht hinkriegt“.
Aus den beiden oben skizzierten Gründen deshalb noch einmal die Empfehlung:
Bild:
Der Abstand des Betrachters sollte idealerweise das fünffache der größten
Ausdehnung des Motivs betragen (in diesem Fall 5 mal die grüne Diagonale).
Oft ist dieser Abstand jedoch nicht einhaltbar (beim Zeichnen stehender Personen z.B. meist nicht). Desto mehr dieser Wert unterschritten wird, desto schlechter ist das Motiv zu erfassen.