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Bewerbungsmappe - Mappenberatung

Ich hatte mehrere Anfragen, die mich auf Bewerbungsmappen, Tipps zu Hochschulen etc. angesprochen haben. Dazu kann man wenig sagen. Bevor ich das jedoch tue, einige andere Anmerkungen und Hinweise an diejenigen unter Ihnen, die sich wirklich mit dem Gedanken tragen, Kunst zu studieren. Damit Sie später nicht sagen können, Sie hätten es nicht gewusst!

Wer lebt von Kunst?

Nahezu niemand, der sie produziert. Auf jeden Fall sehr, sehr wenige. Viel mehr Menschen leben mittelbar von der Kunst, einige, die sie verwalten (in Stiftungen, Behörden, Museumsangestellte... ) und viele, die sie ausschlachten (Kunsthistoriker, Galeristen, Kuratoren, Journalisten, Touristenindustrie... ). Die Zahl der "mittelbar von Kunst lebenden" übertrifft die Zahl der unmittelbar vom Kunstproduzieren lebenden bei weitem.

Wieviele leben nun vom Kunstmachen? Die aktuellen Zahlen sind mir nicht bekannt, ich weiß nur, dass in Westdeutschland Ende der 80ger ca. 3 % der Hochschulabgänger, die Kunst studiert hatten, von dieser freiberuflich lebten.
Wobei nicht gesagt sein soll, daß das Studium eine "hinreichende", gar "notwendige" Voraussetzung zum professionellen Künstlertum wäre. Auf dem Markt sind durchaus erfolgreich einige Kunstproduzenten, die nicht Kunst studiert haben.

3% sind Wenige, es werden noch weniger, wenn man folgendes berücksichtigt:

  • Die 80-er Jahre waren Boom-Jahre für moderne Kunst und den Handel mit ihr,
  • zu den 3 % (die Zahl basierte auf Erhebungen der Künstlersozialkasse und des Finanzamtes) gehören die „Freien Graphiker“, die in der Werbung etc arbeiten, dazu, und das sind wesentlich mehr, als die „freie Kunst“ praktizierenden „Freien Künstler“.

Ich erinnere mich an die Zahlen so gut, weil mir die Studie von einem Freund ausgeliehen wurde, als ich beschloss, Kunst zu studieren. In einem Interview mit einem Sammler (es ist ca. 2003) gewesen, schätzte dieser, es gäbe bundesweit vielleicht 800 Künstler, die aus künstlerischer Tätigkeit höhere Einkommen, d.h. Einkommen, die im Bereich promovierter Akademiker lägen, verdienen würden. Das wären nur ein paar Promille der ehemaligen Kunststudenten.

Produktionsbedingungen für Kunst

Warum leben nur so wenige Künstler von Ihrer Kunst?

Hier ein kleines Rechenbeispiel, um die Produktionsbedingungen zu beleuchten, unter denen Kunst entstehen muss, wenn man professionell von ihr leben und sich nicht „provisorisch“ durchzuschlagen will.
„Provisorisch“ heißt, daß man leerstehende Wohnungen zur befristeten Nutzung als Atelier erbettelt, feuchte Arbeitsräume erträgt, alle halbe Jahre den Krempel zusammenpackt und umzieht, Werke verliert, weil sie vergammeln, billige Nesselstoffe und Wandfarben als Bildträger und Grundierung nimmt, bei Projekten nicht das „künstlerisch notwendige“ Material sondern das „gerade finanzierbare“ kauft, sich zwischen Farben kaufen und dem Zahlen der Miete oder der Sozialversicherung entscheiden muss, etc....

Zur Demonstration und Erklärung, warum moderne Kunst heute so teuer ist und sein muß, und warum trotzdem niemand von ihr leben kann, folgende kleine Überschlagsrechnung:

    monatlich
Bedarf, um „normal“ leben zu können, inklusive der Wohnungsmiete etc...   800.-
Steuern (bei so was bin ich grottenschlecht), + ??? 200.-
macht brutto = 1000.-
als Freiberufler Künstlersozialkasse + ca. 100.-
Atelierräume, + ca. 350.-
Materialkosten (die ja nach Kunstart Bildhauer, Maler, benutzte Medien, Größe der Formate, etc. SEHR differieren können...) + ca. 150.-
Summe   1600.-
Galerien nehmen 50%    
benötigter monatlicher Umsatz => 3200.-

Bitte beachten Sie, daß die Galerie von den 3200.- Euro die Hälfte einstreicht.

Um als professioneller Künstler 800.- Euro netto zubekommen, muß meine Galerie also monatlich für 3200.- Euro Bilder verkaufen. Das heißt, wenn ich als professioneller Künstler mein Existenzminimum sichern will, muß ich Bilder produzieren, die im Endhandel 3200.- Euro einbringen. Oder eins in 3 Monaten, das 10 000.- einspielt.
Man könnte fragen, warum über Galerien verkaufen, wenn die 50 % einstreichen? Ganz einfach, weil man direkt das eine oder andere Bild absetzen, aber nicht kontinuierlich 1600.- Euro erwirtschaften kann. Das geht nur über Galerien. Galerien nehmen durchaus berechtigt ihre 50% (manche auch mehr).

3200.- Euro sind eine ganze Menge, wenn man weiß, wo sich die Preise für „junge Kunst“ bewegen. Erschwerend kommt hinzu, daß nicht jedes Bild (Skulptur, Installation, Performance...) gleich gut ist, es kann also nicht jedes „Produkt“ auch verkauft werden.

Zu den Galerien

50% für die Galerie scheint ganz schön fett zu sein, ist jedoch eine durchaus faire Marge, denn die Kosten für eine Galerie sind hoch. Ein paar Posten:

  • Personalkosten (d.h. mindestens das Einkommen des Galeristen),
  • Miete der Räume,
  • Portokosten (nicht zu unterschätzen bei Mailings von 1000 Adressen ++ zu jeder Eröffnung),
  • Druck- und Layoutkosten für Flyer (auch bei jeder Ausstellung neu anfallend),
  • Standkosten auf Messen (dort wird viel verkauft),
  • Transportkosten,
  • Reisekosten (gute Galerien sind international, mindestens national tätig),
  • Bewirtungs- und Organisationskosten (Galerien organisieren oft Veranstaltungen, Vorträge, Events etc. für ihre Stammkunden)
  • etc...

Gute Galeristen zahlen dazu noch

  • Druck von Katalogen,
  • engagieren Fotografen,
  • etc...

Dabei ist die Galerie ein „potiemkisches Haus“, die Verkäufe erfolgen woanders. Im Kunstbetrieb gibt es keine "Laufkundschaft", die vorbeischlendert und mal eben 6000.- für ein mittleres Format fallen läßt nach dem Motto: "...packen Sie es ein, ich nehms gleich mit". Jeder Verkauf ist Folge einer intensiven Beratung, langen Kennenlernens und intensiver, zeitaufwendiger und damit teurer Betreuung...

Ein guter Galerist ist eine Art Schnittstelle zwischen Künstlern, Museen, Kunsthistorikern und Sammlern und von letzteren, von denen es nur wenige gibt, muss man i.A. als professioneller Künstler (und Galerist) leben. Ich kenne Galeristen, die trotz der 50% Pleite gegangen sind.

Es mag sein, dass man ohne Galerist ab und zu Bilder verkauft, aber ein kontinuierlicher Absatz mit akzeptablen, womöglich steigenden Preisen ist nur über Galerien machbar.

Künstlersozialkasse

Laut Künstlersozialkasse (KSK) verdienen 0,66% der Mitglieder in Westdeutschland mehr als 61.000 Euro im Jahr, im Osten sind es gerade mal 0,28%. Die jährlichen Durchschnittseinkommen der in der KSK versicherten Künstler liegt bei 11.100 Euro, das der "normal gesetzlich" versicherten Arbeitnehmer bei 29.200 Euro im Jahr. Also dem 2,6-fachen des durchschnittlichen Künstlereinkommens (Zahlen aus 2004). Zu den geringstverdienenden Künstlern gehören noch alle die, die wegen ihres zu geringem Einkommen erst gar nicht in die KSK hineinkommen.

Aktualisierung (Juni 2006):
2005 betrug das Durchschnittseinkommen 11.091 Euro, das voraussichtliche Jahreseinkommen 2006 wird auf 10.814,00 Euro absinken (-3%, die Zahlen liegen natürlich noch nicht endgültig fest)- macht durchschnittlich ca. 900 Euro im Monat.
Die Einkommen werden der KSK vor dem Versicherungsjahr gemeldet, es sind Schätzungen der Künstler. Einige werden geringere Angaben machen, um niedrigere Beiträge zu zahlen (es wird aber später an Hand der Steuerbescheide kontrolliert), sehr viele machen jedoch höhere Angaben. Besonders diejenigen, die wenig verdienen. Denn die KSK hat eine Einkommesuntergrenze, wer weniger verdient, fliegt raus, weil er offensichtlich nicht von der Kunst leben kann.

Ein Durchschnittseinkommen von 10.814,00 Euro hört sich gar nicht so schlimm an, denn mit 11.000€ liegt man ja weit über den 9600.-, die ich in obigem Beispiel als Minimum für einen alleinstehenden Künstler angesetzt habe. Dem ist aber nicht so. Denn in der KSV sind nicht nur "freie Künstler" sondern auch Menschen, die ihr Brot mit angewandter Kunst verdienen oder auch Musiker (und Publizisten etc.), deren soziale Lage (Privatunterricht, Anstellung in Ensembles) im Schnitt besser ist als die der Maler, Bildhauer, Performance- und Videokünstler, um ein paar Beispiele zu nennen.

Bei den Renten sieht es noch desaströser aus. Die künstlerischen Berufe zeichnen sich durch lange Studienzeiten aus, bei Musikern z.B. sind trotz straff durchgezogener Ausbildung 10 Jahre normal, da viele Studiengänge (Komposition etc) den Abschluss eines anderen Studiums voraussetzen. Im künstlerischen Bereich sind ausserdem "Patchwork-" Lebensläufe häufig (manche sagen sogar notwendig, um gute Kunst zu machen), also spätes Studium, verschiedene Ausbildungen vorher, lange "Auszeiten" (aus versicherungstechnischer Sicht), Lücken in den Sozialversicherungszeiten, "weil man sich so durchschlug". Die Beiträge zur Rentenversicherung sind also meist sehr gering, mich würde nicht wundern, wenn die "Durchschnitts- Künstlerrente" weit unter Sozialhilfeniveau liegt.

Zurück zur Künstlersozialversicherung. Die obigen Zahlen sind die Zahlen für die "Glücklichen", die in die KSK reinkommen. Nahezu jeder versucht, in die KSK zu kommen, da die Beiträge niedriger als in der gesetzlichen Sozialversicherung sind.

Aber gerade diejenigen, die sie besonders bitter nötig hätten, kommen nicht rein. Denn um dort versichert zu werden, muß man neben einem Nachweis der künstlerischen Tätigkeit (Kataloge, Presseberichte etc.) ein Mindesteinkommen über dem Sozialhilfesatz nachweisen. Liegt das Einkommen niedriger, wird man aufs Sozialamt, genauer (ALGII)verwiesen, man ist dann aus Sicht der KSK nicht mehr als "professioneller" Künstler tätig. Und dieser Nachweis fällt manchem schwer, was wunderts bei einem Klientel, dessen DURCHSCHNITTSEINKOMMEN bei 925 Euro/Monat liegt!

Zeichnen lernen?

Klar, warum nicht?
Kunst studieren? - Besser nicht!

Wenn doch, dann aber mit dem Wissen, daß kaum ein ausgebildeter, staatlich lizensierter Künstler von Kunst lebt. Die ohne "Lizenz", sprich Diplom, haben es noch schwerer. Das ist heute einfach so. Und früher war das auch schon so. Vielleicht nicht ganz so, aber so oder so wars schon so. Die meisten Bildhauer lebten vom "Grabsteinemachen". Und was für die Bildhauer früher die Grabsteine waren sind heute für (ein paar) Maler und Grafiker die Webseiten :-).

Fazit:

Es ist also klug, einen weiten Bogen um die Kunst zu machen. Keine Kunst zu studieren, „was Richtiges“ lernen und ev. als Hobby dazu Kunst machen.

Es ist wirklich Blödheit, Kunst zu studieren.

So, jetzt wissen Sie es!

 

Trotzdem, vielleicht gerade deshalb, tun es einige Unverbesserliche! ( wie Karl-Heinz auf dem Bild, er hat Kunst!)

 

Wer es also nicht lassen kann, für den jetzt die

Tipps zur Bewerbungsmappe

Bei den meisten Kunsthochschulen bewerben sich wesentlich mehr potentielle Studenten als Plätze frei sind. Tipps dazu, wie eine erfolgreiche Mappe aussehen muß, kann man, wenn man seriös sein will, nicht geben. Aber ein paar allgemeine Hinweise.

Jede Hochschule hat ein eigenes „Profil“, was immer das auch ist. Es ist vielleicht am besten mit einer „eigenen Haltung“ beschreibbar. Dieses Profil ändert sich ständig, es hängt von den dort beschäftigten Professoren (und Studenten) ab, und von allgemeinen Trends, um nicht zu sagen vom Kunstmarkt. Als neue Profs werden von den bereits beschäftigten Kollegen erfolgreiche Künstler berufen. Wer Erfolg hat, das bestimmt der "Markt". Mitte der Achtziger z.B. wurde in Düsseldorf sehr wenig „gegenständlich“ gemalt, das hat sich, nachdem die gegenständliche Malerei wieder en vogue geworden ist, grundlegend geändert.

Die einzigen Tipps, die man geben kann, sind die folgenden:

  • Man informiere sich eingehend über die einzelnen Professoren an den jeweiligen Hochschulen und deren „Stil“. Nach der „Richtung“, die sie auf dem Kunstmarkt vertreten. Die meisten (ob das nun gut ist oder nicht, sei dahin gestellt) vertreten eine bestimmte Richtung oder Auffassung von Kunst. Meist sieht man bei hochschulinternen Ausstellungen, wo die einzelnen Studenten studieren. Es gibt nur wenige Professoren, die auch völlig andere ästhetische und künstlerische Konzepte und Kunstbegriffe in ihren Klassen tolerieren, als sie selbst vertreten (seltene Glücksfälle!). Kataloge wälzen hilft deshalb, die richtige Hochschule zu finden.
  • Man rufe bei den Hochschulen an bzw. informiere sich im Netz, ob es „Mappenberatungen“ oder "Mappenkorrekturen" gibt. Wenn ja, gehe man hin. Wenn nein, sollte man versuchen, die Professoren, die einen interessieren, direkt zu kontaktieren.
  • Noch einmal, gehen Sie zu den Mappenberatungen, nehmen Sie Kontakt zu den Professoren auf! (Die würden mich lynchen, wenn die wüßten, daß ich dazu rate, aber der Wert dieses Hinweises kann gar nicht überschätzt werden!) Stellen Sie sich vor, in einer Hochschule trudeln für 30-50 zu vergebende Studienplätze 300 bis 1200 Mappen ein. (Das war so in den 80ern, ich kenne leider keine aktuellen Zahlen. Vielleicht studieren heute weniger Kunst?) Auf jeden Fall ist die Versuchung groß, auf Leute, die man bereits kennt, mehr zu achten als auf andere. Mir sagte ein Prof in einem Gespräch über das Thema, dass das durchaus gerecht wäre. Denn diejenigen, die öfter in die Beratungen kämen, nähmen Wege und Mühen auf sich und wären deshalb engagierter. Ausserdem könne man abschätzen, ob jemand "beratungsresistent" wäre (EINE private Professorenmeinung!).
  • Wenn man glaubt, dass eine Hochschule „passen“ könnte, sollte man hinfahren und sich dort ein bisschen „umtun“. Einige Professoren sind oft unterwegs, andere nicht. Es hilft, wenn man Leute kennt, die bereits an der Hochschule studieren. Das verhindert z.B., dass man ziellos in eine fremde Stadt fährt, dort rumirrt und dann niemanden und nichts erreicht. Von bereits eingeschriebenen Studenten erfährt man auch, was für Mappen sie eingereicht haben, worauf bei den Mappen und Prüfungen Wert gelegt wird und worauf nicht.
  • Die Kommission tagt einen oder 2 Tage, mehr Zeit haben die nicht. Wenn eine Mappe geöffnet wird, kann eine gutwillige und engagierte Kommission höchstens einen Blick auf die ersten 2-3 Blätter werfen. Was dort nicht sehr gut ist (aus der Sicht der Kommission!!!) oder neugierig macht, fliegt sofort raus. Also die besten Arbeiten nach oben!

Wie auch immer, ich kenne sehr viele (ich gehöre auch dazu), die haben einfach ihre Mappe eingereicht an die Uni, zu der sie wollten, sind zu den Tests und wurden genommen. Daß sie zu der jeweiligen Hochschule wollten, wußten sie einfach. Ich dachte mir, Dresden legt Wert aufs Handwerk und nach der Wende muß sich die Kunst ( nicht nur im Osten, aber da waren die Zwänge am größten) neu definieren und überdenken. Das war für mich der große Reiz, den die Hochschule hatte. Mit der selben Mappe wäre ich damals in Düsseldorf nicht genommen worden (nehm ich an, ich weiss es nicht). Wie es jetzt an der Hochschule aussieht kann ich nicht beurteilen.

So, wer will kann mir jetzt die Meinung sagen...

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