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Auf dem Kopf stehende Fotos abzeichnen
Eine in einem sehr bekannten Zeichenbuch * empfohlene Methode für Anfänger schnell erste Erfolge beim Zeichnen zu erzielen, ist, Fotos, die „auf dem Kopf stehen“ abzuzeichnen.
Frau Edwards, die Autorin, meint, dass man mit dieser Methode das bewusste Denken ausschaltet und in einen „unbewussten Modus“ der rechten Hirnhälfte wechselt.
Ich glaube, dass es genau anders herum ist. Wenn ich ein Motiv, das auf dem Kopf steht abzeichne, schalte ich die unbewusste und automatisch ablaufende Interpretation des Gesehenen aus. Ein Gesicht verwandelt sich in eine Ansammlung „sinnloser“ Flächen und Linien die man relativ ungestört durch unbewusste Interpretationen nachzeichnen kann. Dass man am besten in einer leichten Art "Trance" zeichnet, ist allerdings auch wahr, das gilt aber auch für so unkreative Tätigkeiten wie Autofahren, Nähen oder Zen-Bogenschiessen.
Wie auch immer, die Methode funktioniert bestens, und zwar seit Jahrhunderten. Das Umdrehen von Bildern während des Malens ist eine der ältesten Methoden, Kompositionen von Bildern, also Farben und Flächenaufteilungen, zu kontrollieren.
Zeichnen Sie also auf dem Kopf stehende Fotos ab. Wichtig ist, dass Sie diese während des Zeichnens nicht umdrehen. Denn dann bekommt das Foto wieder einen "Sinn" und Sie sind nicht mehr frei, die einzelnen Flächen und Linien "ohne Bedeutung" wahrzunehmen.
* Anmerkung:
Das Buch von Betty Edwards ist in meinen Augen eins der besten Zeichenbücher für Anfänger.
Leider sind viele der heutigen Zeichenbücher eine Sammlung von "Musterbüchern", sie enthalten also eine Anzahl mehr oder weniger guter Zeichnungen mit der Aufforderung, diese nachzuzeichnen, nach dem Motto "das ist ein gezeichneter Fuss, so zeichnet man also einen Fuss".
Solche Bücher gibt es seit der Renaissance, und sie hatten durchaus Berechtigung, da damals "Bildmaterial" äusserst rar war. Heute haben wir jedoch genug Fotos, die man nachzeichnen kann.
Im Gegensatz zu diesen Büchern versucht Frau Edwards klarzustellen, das Zeichnen lernen "anders sehen lernen" heisst und durchaus lernbar ist. Und Sie versucht, entsprechende Methoden anzubieten, mit denen man das auch kann.
Sie bezieht sich bei ihren Erklärungen auf die wenige Jahre vor dem ersten Erscheinen des Buches gemachte Entdeckung, dass die beiden Hirnhälften offensichtlich verschiedene Funktionen haben. Sie unterscheidet zwischen einer "rationalen" und einer "irrationalen, kreativen" Hirnhälfte, mit der man zeichnen lernen soll. Mir ist diese Erklärung zu simpel, aber vielleicht ist auch was dran. Die Methoden, die sie anbietet, funktionieren jedoch bestens und basieren im Grunde auf (jahrhunderte altem) Erfahrungswissen.
Warum etwas funktioniert ist in diesem Falle sekundär, Hauptsache es funktioniert. Rechts hinter dem Bild führt ein Link zur "Buchseite" bei Amazon, der Link ist also Werbung. Sie können sich bei Amazon jedoch Kritiken des Buches ansehen.
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