| ZEICHENKURS - PORTRAIT |
Flächenaufteilung
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In der letzten Zeit gab es viele Forschungen zur Gesichtserkennung, die besonders von der Computer-, Software- und Sicherheitsindustrie initiiert wurden (Stichwort „biometrische Erkennungsverfahren“). Die Ergebnisse lassen den Schluss zu, das die unbeweglichen und festen Merkmale im Gesicht auch die Faktoren sind, die bei der Erkennung von Gesichtern die Hauptrolle spielen. Wichtig ist somit die Form der Augenhöhlen und Wangenknochen. Diese Formen werden hauptsächlich durch die Schädelknochen modelliert, sie werden kaum durch Muskel- oder Fettgewebe beeinflusst und sind deshalb von der Mimik und dem Körpergewicht wenig betroffen. Ebenfalls relativ konstant ist die Länge der Nase und damit die Größe der Fläche zwischen Nasenspitze und Kinnunterkante. Diese Werte sind relativ unabhängig von Mimik, Gewichtszunahme oder -abnahme und Alter . Sie sind für die Identifizierung von Personen sehr wichtig. Deshalb ist im Karneval das „Umschminken“ der Augenhöhlenform mit schwarzer Schminke so erfolgreich. Es verdeckt nicht nur die Form der Augenhöhlen, wie es eine Sonnenbrille täte, es ändert sie. Doch schon die einfache Abdeckung der Augenpartie incl. der Brauen durch eine Sonnenbrille oder einen schwarzen Balken (bei Fotos) erschwert die Erkennbarkeit. Sehr wirkungsvoll, um ein Gesicht bis zur Unkenntlichkeit zu ändern, sind Nylonstrümpfe. Sie zerdrücken die Nase und verwischen dadurch, dass sie Haut und Gewebe um die Augenhöhlen verzerren und in diese hineinpressen, die Form und Lage der wichtigsten Identifizierungspunkte im Gesicht. Sie „tarnen“ also nicht nur die wichtigsten Fixpunkte sondern Sie „verlagern“ diese und machen die Erkennbarkeit von Gesichtern oft sogar für Freunde so gut wie unmöglich. Wie auch immer, das Beispiel mit den Zeitungsfotos demonstriert eindeutig, dass nicht die genauen Detailformen von Augen, Ohren und Nase wichtig sind, sondern die „Flächenaufteilung“ im Gesicht. Dem entspricht auch die „Ähnlichkeit“ von Karikaturen. Diese betonen unter Missachtung der anatomischen Regeln und oft auch unter Weglassung von Details die Besonderheiten von Gesichtern. Berühmt sind in diesem Zusammenhang die „Portraits“ von C. O. Paeffgen, bei denen er blasse Fotos von Leuten mit einer Art von minimalistischen Punkt-Punkt-Komma-Strich Gesichtern übermalte. Trotz des Minimalismus sind die Dargestellten erkennbar, denn die Punkte und Striche markierten die Lage der Augenbrauen, der Nase, des Mundes und die Gesichtskontur. Wie immer in der Kunst und Wahrnehmungspsychologie sind diese Aussagen natürlich relativ. Denn wenn Detailformen besonders ausgeprägt sind reicht oft schon deren Zeichnung, um den Karikierten relativ eindeutig darzustellen. Ein Beispiel wäre Theo Waigel und seine ausgeprägten Augenbrauen oder die „Birnenform“ des Kopfes von Helmut Kohl. |
Bilder 250 breit, Vergr ößerungen 600 breit |
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